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Stiftung Kindergesundheit
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Newsletter Ausgabe November 2009

Kinder und Nichtraucher brauchen Schutz vor Tabakbelastung

Stiftung Kindergesundheit unterstützt das Volksbegehren in Bayern gegen die Aufweichung des Gesundheitsschutzgesetzes

Rauchen ist gesundheitsschädigend und kann zu Krebs, Herzleiden oder Lungenkrankheiten führen. Das gilt aber nicht nur für den selbst inhalierten Tabakrauch, sondern auch für das Einatmen von Rauch aus der Raumluft, stellt die Stiftung Kindergesundheit unmissverständlich fest. Der Rauch von Zigaretten ist mit Abstand der bedeutendste und gefährlichste, vermeidbare Schadstoff für Ungeborene und Kinder und die führende Ursache von Luftverschmutzung in Innenräumen. Die Stiftung unterstützt deshalb die Initiative „Leben und leben lassen. Volksbegehren Nichtraucherschutz“.

 

Ziel dieser Initiative ist die Rücknahme des seit 1. August 2009 geltenden verwässerten Nichtraucherschutzgesetzes in Bayern. Die Initiative fordert: Das zuvor geltende Gesetz soll wieder eingeführt werden, allerdings ohne das Schlupfloch, das die Entstehung von zahlreichen Raucherclubs ermöglicht hatte. Das überparteiliche Bündnis zum Volksbegehren wird unter anderem vom Bayerischen Ärztetag, der Deutschen Krebshilfe, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, sowie von zahlreichen weiteren Gesundheitsorganisationen unterstützt. Die Eintragungsfrist für das Nichtraucherschutz-Volksbegehren läuft vom 19. November bis 2. Dezember 2009.

 

„Passivrauchen ist keine harmlose Belästigung!“, begründet Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der in München ansässigen „Stiftung Kindergesundheit“ die Unterstützung der Initiative zum Volksbegehren. „Wer unfreiwillig zum Mitrauchen gezwungen ist, ganz gleich ob Kind oder Erwachsener, hat nachweislich schwerwiegende Folgen für seine Gesundheit zu fürchten“.

Der Nebenstromrauch enthält die gleichen giftigen und krebserregenden Substanzen wie der Hauptstromrauch, in der Regel sogar in einer deutlich höheren Konzentration, so die Stiftung Kindergesundheit. Einzelne Komponenten des Passivrauchs bleiben lange in der Raumluft.

Da sich auch Partikel an den Wänden, Tapeten, Gardinen und Möbeln abgesetzt haben und von dort wieder in die Raumluft gelangen, sind Räume, in denen das Rauchen erlaubt ist, eine kontinuierliche Quelle für die Giftstoffe des Tabaks, auch wenn dort aktuell nicht geraucht wird.

 

Das ist natürlich auch den Politikern bekannt. So heißt es im „Gesundheitsmonitor Bayern 2007“ des „Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit“ (nach wie vor einzusehen auf den Internetseiten des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit): „Eine besondere Problematik stellt die Belastung durch Tabakrauch an Orten des täglichen Lebens dar, wie auch eigene Studien des Landesamtes gezeigt haben, z.B. Erhebungen zur Tabakrauchbelastung von Kindern im familiären Zusammenhang oder Messungen zu giftigen und krebserregenden Stoffen aus dem Tabakrauch in der Raumluft von Gastronomiebetrieben“.

 

Das Landesamt fasste die Ergebnisse seiner Studien 2007 so zusammen:

  • „Die Belastung der Raumluft von Gastronomiebetrieben mit toxischen und Krebs erzeugenden Substanzen aus dem Tabakrauch ist erheblich und stellt eine Gesundheitsgefährdung für Gäste und Beschäftigte dar.
  • In allen Gastronomiebetrieben gleich welcher Kategorie - ob Restaurant, Kneipe oder Diskothek - wurden hohe Konzentrationen nachgewiesen.
  • Die höchsten Belastungen wurden in Diskotheken festgestellt.
  • Ein Handeln im Sinne eines umfassenden und konsequenten Schutzes nicht rauchender Gäste und des Personals ist auf Grundlage dieser Daten dringend geboten“.

Jahr für Jahr 3.300 Tote durch Passivrauchen

An diesen Erkenntnissen hat sich bis heute nichts geändert, stellt die Stiftung Kindergesundheit in ihrer aktuellen Stellungnahme fest. Sie beziffert die Größenordnung der durch fremde Zigaretten gefährdeten Menschen mit Zahlen aus dem kürzlich veröffentlichten „Tabakatlas“ des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ)Heidelberg:

  • Wer mit einem Raucher zusammenlebt oder bei der Arbeit Tabakrauch ausgesetzt ist, hat ein um 25 bis 30 Prozent höheres Risiko an koronarer Herzkrankheit zu erkranken und ein um 20 bis 30 Prozent erhöhtes Risiko für Lungenkrebs.
  • Insgesamt sterben in Deutschland jährlich über 3.300 Menschen an den Folgen des Passivrauchens. 2.150 an koronarer Herzkrankheit, rund 700 an Schlaganfall und rund 260 an Lungenkrebs.
  • 13 Prozent aller Babys werden bereits im Mutterleib den Schadstoffen des Tabakrauchs ausgesetzt. Damit gibt die Mutter ihrem Baby im Übermaß die Gifte weiter, die im Tabakrauch enthalten sind. Die Folge sind Früh- und Fehlgeburten, geringeres Geburtsgewicht, kleinerer Kopfumfang und vermindertes Längenwachstum. Wenn die Schwangere raucht, verringert sich das Geburtsgewicht ihres Kindes um durchschnittlich 200 Gramm. Paradoxerweise haben aber gerade diese Kinder im späteren Alter ein höheres Risiko für Übergewicht.
  • 42 Prozent der Kinder sind zu Hause durch ihre Eltern dem Passivrauchen ausgesetzt. Sie leiden häufiger unter Atemwegserkrankungen und haben häufiger Mittelohrentzündungen als Kinder nichtrauchender Eltern.
  • In der Altersgruppe von 11 bis 17 Jahren halten sich 85 Prozent der nichtrauchenden Jungen und 87 Prozent der nichtrauchenden Mädchen zumindest gelegentlich in Räumen auf, in denen geraucht wird.

Rauchende Erwachsene – kranke Kinder

In Deutschland treten jährlich immer noch über 200 Todesfälle durch den Plötzlichen Säuglingstod (SIDS) auf. Bis zur Hälfte aller SIDS-Fälle werden dem Passivrauchen zugeschrieben. Sowohl das Rauchen während der Schwangerschaft als auch nach der Entbindung erhöht das Risiko deutlich. Bei einem täglichen Konsum der werdenden Mutter von mehr als 10 Zigaretten erhöht sich das Risiko für SIDS auf das Siebenfache. Insgesamt ist das Risiko von SIDS bei elterlichem Tabakkonsum um das Zwei- bis Vierfache höher als in rauchfreien Haushalten.

 

Kinder, die zum Mitrauchen gezwungen sind, schlafen schlechter und haben häufiger Bauchweh, Schwindel, Kopfschmerzen, Husten und Konzentrationsstörungen.

 

Sie sind häufiger krank, neigen zu Allergien, müssen öfter ins Krankenhaus und leiden häufiger unter Bronchitis und Lungenentzündung. Dreijährige, die mitrauchen müssen, erkranken bis zu dreimal so häufig an einer Mittelohrentzündung als Kinder in rauchfreien Wohnungen. Auch Hirnhautentzündungen kommen bei passiv rauchenden Kindern öfter vor. Der Rauch elterlicher Zigaretten kann sogar den Zähnen der Kinder schaden: Sie müssen häufiger wegen Karies behandelt werden.

 

Intelligenzleistung und Lernfähigkeit werden ebenfalls nachhaltig gestört: Eine britische Langzeitstudie ergab, dass Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht hatten, bei allen Nachuntersuchungen im Alter von sieben, elf und 16 Jahren beim Rechnen, Lesen und Sprechen im Vergleich zu ihren Altersgenossen zurück waren. Sogar nach 23 Jahren zeigte sich noch ein enger Zusammenhang zwischen der Zahl der von der Mutter konsumierten Zigaretten und den kognitiven Fähigkeiten der Kinder.

 

Nichtraucher keine „schweigende Mehrheit“ mehr

Beim Gesundheitsrisiko Rauchen ist endlich eine Trendwende in Sicht. Bei den Erwachsenen geht der Anteil der Raucher deutlich zurück, bei den Männern mehr als bei den Frauen. Nach der letzten Erhebung 2006 rauchen in Deutschland 35,5 Prozent der Männer und 27,8 Prozent der Frauen.

Bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren sank der Raucheranteil sogar von 28 Prozent im Jahr 2001 auf 15,4 Prozent im Jahr 2008. Nichtraucher sind also in der Mehrheit – sie sollten nicht länger eine schweigende Mehrheit sein, so die Stiftung Kindergesundheit.

 

Die Botschaft der Stiftung Kindergesundheit ist unmissverständlich:

„Das gemeinsame Ziel ist, den Einstieg zum Rauchen zu verhindern, den Ausstieg aus dem Rauchen zu erleichtern und Kinder und Erwachsene vor Passivrauchen zu schützen“, so Professor Koletzko. Er fügt hinzu: „Nichtrauchen verbessert nachhaltig die Lebensqualität, Gesundheit und die Lebenserwartung aller Beteiligten“.

 

Vom Passivrauchen sind betroffen

  • etwa 8,5 Millionen Nichtraucher am Arbeitsplatz;
  • die meisten der über eine Million Mitarbeiter im Gaststättengewerbe, darunter über 7.000 nichtrauchende Schwangere;
  • über acht Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher leben;
  • über 170.000 Babys, die jährlich bereits im Mutterleib den Schadstoffen des Tabakrauches ausgesetzt sind.