
PowerKids mit Begleitprogrammen
Bericht über die Evaluation der Effektivität der entwickelten Begleitprogramme von PowerKids durch die AOK Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München
In den letzten Jahren ist die Anzahl von übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen in den industrialisierten Ländern dramatisch gestiegen. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, therapeutische Trainingsprogramme zu entwickeln, die Kinder und Jungendliche ermutigen und dabei unterstützen, ihr Gewicht langfristig zu stabilisieren bzw. zu reduzieren.
Vor diesem Hintergrund hat die gemeinnützige Stiftung Kindergesundheit das ambulante Trainingsprogramm PowerKids entwickelt, das in Kooperation mit der AOK angeboten wird und für übergewichtige Kinder überall in Deutschland einsetzbar ist.
Um den Erfolg zu verbessern, bietet die AOK Begleitkurse zum PowerKids-Programm an, die das Selbsttrainingsprogramm der betroffenen Kinder und deren Familien begleiten.
Ziel ist es, den Kindern die eigene Kompetenz, Fähigkeiten und Möglichkeiten bewusst zu machen und die Eigenverantwortung und das Selbstbewusstsein zu stärken. Dadurch soll eine langfristige und nachhaltige Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten erzielt werden.
Um die Effektivität des Programms beurteilen zu können, haben wir zwischen Februar und Oktober 2007 in Zusammenarbeit mit der AOK Baden Württemberg eine schriftliche Befragung von übergewichtigen Kindern und deren Eltern zum Begleitprogramm mit speziell entwickelten Fragebögen durchgeführt. Das Körpergewicht und die Körpergröße wurden zu Beginn und zum Ende der Programme durch die Eltern gemessen und dokumentiert. Das Ausmaß des Übergewichts wurde durch den Body Mass Index (BMI) ermittelt. Kinder und Eltern wurden befragt, u.a. zu veränderten Ernährungs-, Lebens- und Verhaltensgewohnheiten, zur Bewertung der Kurse, zur Zufriedenheit mit dem Programm und den Begleitkursen, zur Teilnahme an weiteren Sportangeboten der Vereine, und zum Beitrag zu einer gesünderen Lebensweise bei Kind und Familie.
Die Evaluation erfolgte bei 84 übergewichtigen und adipösen Kindern (mittleres Alter: 10,5 ± 1,5 Jahre; Spanne: 7 - 14 Jahre) mit einem mittleren Standardabweichung des BMI-Wertes vom normalen Mittelwert (BMI SDS) von 2,39 ± 0,67 zu Beginn der Begleitprogramme.
Durch das 10 - 12wöchige Interventionsprogramm wurde eine deutliche Reduktion des BMI SDS um -0,27 ± 0,29 (p<0,001) bzw. eine Gewichtsreduktion um -1,1 kg erzielt. Kinder, die dabei gleichzeitig am AOK-Begleitangebot PowerKids plus und beim AOK-Bewegungsangebot PowerKids aktiv mitgemacht haben, haben ihr Gewicht um durchschnittlich 1,9 kg (n=13) verringern können und haben mehr abgenommen als Kinder, die nur einen Kurs belegt haben („plus“ (n=21): -1,2 kg; „aktiv“ (n=29): - 0,4 kg).
Erfreulicherweise wurden auch Veränderungen hin zu einer gesünderen Ernährungsweise sowie zu verbesserten Verhaltens- und Lebensgewohnheiten beobachtet. Am deutlichsten zeigt sich die positive Veränderung bei der Auswahl von fettärmeren Lebensmitteln, wobei ca. 82 % der Kinder jetzt häufiger fettärmere Alternativen auswählen. 47 % der Kinder geben an, seltener zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke zu verzehren und 44,4 %naschen weniger zwischendurch. Ungefähr ein Drittel der Kinder nehmen seltener eine zweite Portion, verzehren kleinere Portionen oder essen seltener Fast food. An geregeltere Essenszeiten halten sich nur 12,8 %.
Die körperliche Aktivität hat sich bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer erhöht. Bei ungefähr einem Viertel der Kinder wurde aber auch das Selbstbewusstsein verbessert und es werden weniger Konflikte wegen dem bestehenden Übergewicht in der Familie und bei Tisch ausgetragen.
23 % der Kinder geben an sich weniger im Sitzen zu betätigen, sondern regelmäßiger Sport zu betreiben und es finden mehr gemeinsame Aktivitäten mit Freunden statt. Ungefähr 16 % der Kinder und Jugendliche erzählen zu Hause häufiger von ihren Problemen. Bei 8,5 % der Kinder änderte sich dagegen nichts.
31 % der Eltern bzw. 27, 4 % der Kinder waren „sehr zufrieden“ mit der Kursdurchführung. 58,3 % der Eltern bzw. 59,5 % der Kinder waren mit dem Kurs „zufrieden“. Bei 58,3 % der Kinder hat sich „deutlich“ eine gesündere Lebensweise eingestellt, bei 9,5 % der Kinder hat sich die Lebensweise sogar „sehr deutlich“ positiv verändert.
Die Befragung der Eltern und Kindern nach der Bewertung des Kurses zeigte, dass das Ernährungswissen verbessert wurde und der theoretische Teil kindgerecht aufbereitet und dargestellt wurde. Die Verknüpfung mit der selbstständigen Zubereitung von Speisen und Bewegungseinheiten wurde als sehr positiv bewertet. Die Tatsache, dass alle Kinder gleiche oder ähnliche Probleme hatten, machte die Teilnahme leichter und erhöhte die Motivation. Das Selbstbewusstsein und die Selbstverantwortung wurden gefördert ohne Druck aufzubauen. Auch der Einbezug der Eltern wurde als sehr positiv bewertet. Kritikpunkte der Eltern und Kinder waren die zu aufwendigen Rubbel- und Bastelarbeiten und der teilweise zu große Altersunterschied in den Gruppen. Es wurde auch der Wunsch nach noch mehr praktischen und sportlichen Tätigkeiten geäußert. Einige Teilnehmer wünschten sich einen noch längeren Kursverlauf und weiterführende Angebote. Die Kinder geben an, mehr Spaß an der Bewegung gefunden zu haben, allerdings möchten nur 25 % weiterhin die Teilnahme an Vereinsangeboten nützen.
Die oben aufgeführten Ergebnisse machen deutlich, dass eine Kombination von selbstständigen wöchentlichen Einheiten in der Familie mit unterstützendem Begleitprogramm durch die Krankenkasse AOK durchaus sinnvoll erscheint. Der erreichte niedrigere BMI SDS kann als positiv bewertet werden und spricht für die Effektivität von PK und den verstärkenden Erfolg durch die Begleitkurse. Die Vorgabe das eigene Selbstbewusstsein zu stärken sowie die stärkere Selbstkontrolle und -verantwortung bei der Essens- und Lebensmittelauswahl wurde immerhin bei ungefähr einem Drittel der Kinder erreicht. Um den Erfolg der Gewichtsabnahme weiterhin zu verbessern, sollte die Möglichkeit, das Angebot der Begleitprogramme über einen längeren Zeitraum anzubieten, weiterhin in kleinen Gruppen, aber mit engerer Altersbegrenzung und altersentsprechendem Interventionsinhalt, reflektiert und in Erwägung gezogen werden.
Anthropometrische Daten (MW±SD; n=84)
| zu Beginn | nach Ende | Differenz |
Größe (cm) | 146 ± 10,3 | 148 ± 10,6 | 1,7 ± 1,5*** |
Gewicht (kg) | 53,6 ± 10,6 | 52,5 ± 10,2 | -1,1 ± 2,4*** |
BMI (kg/m2) | 24,9 ± 3,0 | 23,8 ± 2,9 | -1,03 ± 1,3*** |
BMI SDS1 | 2,39 ± 0,67 | 2,13 ± 0,72 | -0,27 ± 0,29*** |
t-Test: *** p<0,001; 1 nach Cole TJ et al., BMJ 320, 2000
