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Stiftung Kindergesundheit
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Prävention Allergie

Bildquelle: istockphoto.com

GINI (German Infant Nutritional Intervention Study) - eine Studie zur Allergieprävention

 

Hintergrund

Jedes 3. Kind ist bereits im Säuglingsalter von allergischen Erkrankungen betroffen.

Mehr als 30 Prozent aller Kinder in Deutschland weisen eine allergische Reaktionsbereitschaft auf. Die Gründe hierfür sind u. a.: Umweltfaktoren + genetische Faktoren + früher Allergenkontakt.

Wichtig ist daher die primäre Allergieprävention in der Pädiatrie.

 

Allergien können sich an der Haut (Neurodermitis oder Nesselsucht), an den Schleimhäuten der Atemwege durch Inhalation der Allergene (Heuschnupfen, Asthma) oder an den Schleimhäuten des Gastrointestinaltraktes (Jucken im Mund, Schluckstörungen, Erbrechen, Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen) durch Aufnahme der Allergene aus den Nahrungsmitteln äußern. Neben Umweltfaktoren spielen auch genetische Faktoren hier ein Rolle - weltweit sucht man nach den dafür verantwortlichen Genen für die verschiedenen allergischen Erkrankungen.

Einflüsse auf das Immunsystem des Säuglings und Kleinkindes sind für ein Allergierisiko mitentscheidend. Dies belegen mehrere epidemiologische Studien, die nachweisen konnten, dass der frühe Kontakt zu Stalltieren das Risiko für allergische Erkrankungen deutlich senkt. Erfolgversprechend ist es, durch eine frühe Intervention präventiv wirksam zu werden.

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte und von der Stiftung Kindergesundheit unterstützte Langzeitstudie: "GINI - German Infant Nutritional Intervention Study" untersucht seit 1996 den Einfluss verschiedener Säuglingsmilchen auf die allgemeine Allergieentwicklung.

In die prospektive, randomisierte, doppelblinde Studie wurden über 2000 gesunde, reife Neugeborene aus Nordrhein-Westfalen und Bayern mit atopischen Erkrankungen in der Familie aufgenommen. 70Prozent der Säuglinge hatten einen und 30 PRozent qmindestens zwei Verwandte 1. Grades mit einer atopischen Erkrankung.

Allen Neugeborenen wurde nach der Geburt randomisiert eine der 4 folgenden Studiennahrungen zugeordnet, die bei nicht ausreichender Muttermilch gefüttert wurde:

  • herkömmliche Säuglingsmilchnahrung,
  • partielles Molkenhydrolysat
  • extensives Molkenhydrolysat
  • extensives Caseinhydrolysat.

Die Studie beinhaltet klinische Untersuchungen der Kinder im 1., 4., 8., 12., 24. und 36. Monat, wobei auch eine Bestimmung des Gesamt-IgE im Nabelschnurblut und spezifisches IgE (Immunglobulin-E-Antikörper) durchgeführt wird.

 

Studienverlauf:

Von 2252 Kindern, die in die Studie aufgenommen und randomisiert wurden, fielen innerhalb der ersten 4 Wochen 114 (5 Prozent) Kinder ohne ärztliche Untersuchungen wieder heraus. Von 2138 Mütter stillten 889 (42 Prozent) ihre Kinder in den ersten 4 Monaten ausschließlich. Bis auf 24 (3 Prozent) von 889 Kindern konnten alle während der gesamten Studienzeit beobachtet werden. Formelmilch bekamen insgesamt 1249 Kinder, von denen jedoch 166 (13 Prozent) im Laufe der ersten 12 Monate herausfielen.

Weitere 138 (138/1083 [13%]) Kinder wurden von der Studie aufgrund von Nichtbeachtung der Studienbedingungen ausgeschlossen.

Insgesamt 945 formelmilch-ernährte Kinder konnten letztendlich in die Auswertung nach 12 Monaten einbezogen werden.

 

Erste Ergebnisse:

Die GINI-Studie zeigt, dass hypoallergene Säuglingsnahrungen zur primären Prävention eine sinnvolle Ergänzung zur Muttermilch sind. Sowohl schwache als auch starke Hydrolysate haben einen präventiven Effekt auf die Reduktion des atopischen Ekzems und der Nahrungsmittelallergie.

In bisher veröffentlichten Studienergebnissen konnten zwei wesentliche Aspekte festgestellt werden:

  • Ausschließliches Stillen während der ersten 4 Monate senkt die Häufigkeit von allergischen Erkrankungen.
  • Bei Formelnahrung, die ausschließlich oder teilweise gegeben wird, sind Nahrungen mit hydrolysiertem Eiweiß günstiger als eine normale Kuhmilchformel. 

Molke- und Casein-basierte Hydrolysate konnten das Risiko für allergische Hauterkrankungen in den ersten 12 Monaten signifikant vor allem bei jenen Kindern vermindern, deren Familienmitglieder ersten Grades allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Urtikaria hatten. Hatten die Eltern oder die älteren Geschwister Neurodermitis, so war die vorbeugende Wirkung der veränderten Nahrungsmittel nicht so ausgeprägt. Die genetischen Faktoren scheinen demnach eine größere Rolle zu spielen als bisher angenommen. Auch das Geschlecht scheint einen Einfluss auf das allergische Risiko zu haben: 15 Prozent der Jungen verglichen mit 10 Prozent der Mädchen entwickelten im ersten Lebensjahr eine allergische Manifestation.

 

Genauere Daten:

Bei 119 (13 Prozent) von 945 Kindern ergab sich eine allergische Manifestation. Eine Dermatitis (atopic dermatitis) wurde bei 106 (11 Prozent) Kindern, eine allergische Nesselsucht (allergic urticaria) in 5 (0,5 Prozent) Fällen und eine Nahrungsmittelallergie (mit Manifestation im Magen-Darm-Trakt) bei 12 (1,3 Prozent) Kindern diagnostiziert. Bei 4 Kindern wurden mehr als eine allergische Funktionsstörung beobachtet.

Das Vorkommen einer allergischen Manifestation war bei Kindern, die extensives Caseinhydrolysat bekamen, signifikant niedriger, verglichen mit Kindern, denen herkömmliche Säuglingsmilchnahrung (Kuhmilch) gefüttert wurde. Wohingegen die Reduktion von allergischen Erkrankungen in den Gruppen mit partiellem und extensivem Molkenhydrolysat keine Signifikanz erreichte.

Interessant ist die Beobachtung, dass bei Kindern, die in den ersten 4 Monaten kein Kuhmilcheiweiß bekommen, weniger Allergien der Haut (z.B. Neurodermitis) auftreten, obwohl diese Kinder auf Kuhmilcheiweiß selbst nicht allergisch reagieren. Hier scheint es bisher unbekannte Mechanismen zu geben, die das Immunsystem des Kindes beeinflussen.

 

Die Stiftung Kindergesundheit unterstützt die Fortführung dieser Studie, um die Entwicklung von Allergien bei den in die Studie involvierten Kindern weiter zu verfolgen. Hieraus können wertvolle Rückschlüsse für Empfehlungen zur Vorbeugung von Allergien geschlossen werden.

Wir freuen uns über jede Spende - auch für dieses Projekt unter dem Stichwort: GINI.

Vielen Dank!

 

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