
Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen

- v.l.n.r.: Prof. Dr. Berthold Koletzko, Bayer. Familienministerin Christine Haderthauer, Georg Ehrmann
Wissenschaftliches Symposium der Stiftung Kindergesundheit und der Deutschen Kinderhilfe e.V.
Am 16. Juli 2010 fand am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München ein gemeinsames Symposium der Stiftung Kindergesundheit und der Deutschen Kinderhilfe e.V. zum Thema „Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen“ statt (Schirmherrschaft: Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung). Das Ziel des Symposiums bestand darin, Fachpublikum und Öffentlichkeit über epidemiologische, medizinische, psychologische, politische, gesellschaftliche und mediale Aspekte des Problems sowie über die differentielle Wirksamkeit der vielfältigen Präventionsansätze zu informieren und über Möglichkeiten der Optimierung der Verhaltens- und der Verhältnisprävention zu diskutieren.
In der Veranstaltung wurde aus epidemiologischer Sicht herausgestellt, dass die Daten auf der Grundlage von Wiederholungsbefragungen zwar insgesamt einen Rückgang der Konsumprävalenz, der Konsumhäufigkeit und –menge erkennen ließen, dass aber die Prävalenzraten eine deutliche Zunahme riskanten Trinkverhaltens und alkoholbezogener Probleme erkennen ließen.
Zur Prävention von Alkoholmissbrauch sind u.a. gesetzgeberische Maßnahmen von Bedeutung.
Als besonders effektiv haben sich Einschränkungen der Verfügbarkeit und Preiserhöhungen aufgrund von Besteuerung erwiesen. Um Jugendliche für einen risikoarmen Alkoholkonsum zu sensibilisieren, ist zudem auch die Intensivierung und Verstetigung verhaltenspräventiver Ansätze notwendig.
Hierzu wurden in Einzelnen die BZgA-Kampagnen „NA TOLL!“ und „Alkohol? Kenn dein Limit.“ vorgestellt. Eine Kombination aus verhaltenspräventiven Maßnahmen mit strukturellen, alkoholpolitischen Strategien wird in dem Präventionsprojekt „HaLT – Hart am Limit“ – realisiert.
Die bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Christine Haderthauer, ging in ihrem Beitrag auf die Meldepflicht bei nachlässigem Elternverhalten nach Alkoholintoxikation und auf die Notwendigkeit von Testkäufen ein. Handlungsbedarf sah die Ministerin ferner auch auf bundespolitischer Ebene.
In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden unterstützende Maßnahmen der Politik und öffentlicher Einrichtungen erörtert und Möglichkeiten der Vernetzung und Zusammenarbeit unterschiedlicher Organisationen, Präventionsprojekte und Akteure diskutiert.
Implikationen für die Praxis:
In der klinischen Praxis sind im Kontext riskanten Alkoholkonsums bei Jugendlichen insbesondere lösungsorientierte und motivierende Gespräche, die Beratung hilfesuchender Eltern und die Kontaktherstellung zu weiteren Hilfesystemen von Bedeutung. Die Möglichkeit, mit Jugendlichen über einen möglichen Alkoholkonsum ins Gespräch zu kommen, bietet sich sowohl im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen als auch bei Vorstellungen wegen somatoformer Störungen, psychopathologischer Symptomatik und anderer Auffälligkeiten sowie im Kontext von Krankenhaushausaufenthalten und Aufnahmen in der Unfallambulanz. Von Bedeutung sind dabei eine patientenorientierte Vorgehensweise und eine wertschätzende, empathische Gesprächsführung.
Das Grundprinzip besteht darin, die Jugendlichen zur Reflexion über positive und negative Aspekte des Alkoholkonsums zu bewegen und zu eruieren, auf welche Weise eine Verhaltensänderung bewirkt werden könnte. Bei Verdacht auf Alkoholmissbrauch können zudem auch Screeningverfahren wie beispielsweise der 6 Fragen umfassende CRAFFT-Test eingesetzt werden.
Im Rahmen von stationären Behandlungen aufgrund von Alkoholintoxikationen sollte der Kontakt zu einem Psychologen bzw. Sozialpädagogen (z.B. HaLT-Projekt) hergestellt werden. Wird ein gravierender Alkoholabusus festgestellt, sollte mit weiteren Hilfesystemen wie Kinder- und Jugendpsychiatrie, Jugendhilfe und Drogenberatungsstellen kooperiert werden. Auch betroffene Eltern sollten auf entsprechende Hilfsangebote hingewiesen werden.
Vorträge im PDF-Format:
